Psychedelisch , hypnotisch – Loxley Beade
Sie
klingen irgendwie, als seien sie aus den Siebzigern übrig geblieben,
als stammten sie aus einer Zeit, in der alles - auch oder vor allem die
Musik - einfach viel besser und schöner war. Aber Loxley Beade sind
nicht von vorgestern, sondern von heute. Allerdings so was von
eindringlich, hypnotisch, psychedelisch - und wenn Sänger und
Songwriter Patrick O.J. Moore zur Flöte greift, fällt dem Zuhörer
unweigerlich Ian Anderson ein. Auch die Gitarre klingt wie früher, mal
wild und verzerrt, mal melodisch sanft, fast zärtlich. Dazu die
folkloristischen Akzente von Saz, Mundharmonika und Mandoline und die
einfühlsame Percussion – kein Wunder, dass die Darmstädter Formation an
die glorreiche Flower-Power-Zeit erinnert.
Die Band wurde 1996 von
Pat Moore und Markus Zettwuch, sozusagen als Gitarrenduo gegründet. Zu
dieser Zeit war noch Poem-Pop das Thema, die Musik hatte einen starken
Folk- und Singer-/Songwriter-Background. Durch Hinzukommen von
Schlagzeug und Bass entwickelte sich die Musik zunächst schleichend in
eine rockigere Folk-Variante. Als der Schlagzeuger Gerhard Bruder im
Jahr 2002 durch Jens Engemann ersetzt wurde, nutzte die Band die
Gelegenheit, um Prinzipien und Konzepte neu zu überdenken.
2004
war es dann so weit, das Debut-Album „… of transient thoughts and
iridiscence“ aufzunehmen, welches via Nasoni Records auf Vinyl
veröffentlicht wurde und weltweit positive Kritiken hervorrief. 2005
ersetzte Jörg Anders den bisherigen Bassisten Thomas Wellstein und die
aktuelle Besetzung war komplett. Jedes Bandmitglied brachte andere
musikalische Einflüsse und Vorlieben mit, aber stets fand sich ein
gemeinsamer Nenner als Grundlage derSongs. Die Vielfalt an Einflüssen
mag ein Grund sein, warum es so schwer ist, die Musik von Loxley Beade
zu kategorisieren.
Um das musikalische Spektrum der Band etwas
einzugrenzen, hilft es vielleicht, sich die verschiedenen Rezensionen
der Debut-LP anzusehen. Hier ein paar Schlagwörter, die in diesem
Zusammenhang immer wieder fielen: Hippie-Jazz, groovin` Art-Rock,
Finkenbach-Festival, Psycho-Folk, Indie, Effekt-Freaks, Pink Floyd,
Motorpsycho, hypnotisch, progressiv, orientalische Einflüsse, lange
Läufe, gutes Kraut und so weiter.
Während dem Zuhörer bei älteren Stücken immer noch die einzelnen
Puzzleteile zu Ohren kamen, fügen diese sich mittlerweile immer öfter
zu einem großen Ganzen, zu einem Gesamtbild – dem ureigenen Stil von
Loxley Beade. Diesen zu finden, ist, neben dem Drang zu
experimentieren,
das selbsterklärte Ziel der Band. Dass dies einen langen Weg bedeutet,
ist Loxley Beade bewusst, doch ist auch der Weg das Ziel, und diesen
Weg zu beschreiten, auf der Suche nach neuen musikalischen Ufern, ist
das eigentlich Interessante.
Trotz aller Experimentierfreude achten
Loxley Beade aber stets darauf, dass die Musik für den Hörer
nachvollziehbar bleibt. Als Beispiel seien die vielen krummen Takte der
Stücke genannt, die jedoch so interpretiert werden, dass sie dem Hörer
als solche nicht weiter auffallen, sondern rund und fließend klingen.
Einen hohen Stellenwert nehmen auch die Texte ein, die allesamt aus der
Feder des gebürtigen Engländers Pat Moore stammen. Eher ungewöhnlich
für eine Psychedelic-Band ist der Realitätsbezug der Texte, die von
Alltagsbeschreibungen bis hin zu gesellschaftskritischen Themen reichen
und dies meist in skurriler und bisweilen versponnener Form. „Economy“
handelt zum Beispiel von einem naiven Bauern, der keine guter
Geschäftsmann ist und es deshalb schwer hat, in unserem
Wirtschaftssystem zu bestehen. „Frazzled by an SMS“ dreht sich um jene
SMS, die nie bei ihrem Empfänger ankommen - doch was passiert mit
ihnen? Hören sie einfach auf zu existieren? Oder stellen sie
möglicherweise eine Bedrohung für die ganze Welt dar, die nur noch
niemand wahrgenommen hat? Auf diese und andere Fragen weltbewegende
Fragen wird man möglicherweise auf Loxley Beade`s nächstem Album eine
Antwort finden.
Im Oktober geht die Band wieder ins Studio, um die neuesten Songs
einzuspielen – hoffend, dem persönlichen Ziel ein kleines Stück näher
gekommen zu sein. Nähere Infos unter www.loxleybeade.de